Ein Sharing Angebot aufbauen

Welche Schritte Sie beim Aufbau Ihres Shared Mobility Angebots beachten müssen

28. Februar 2021 | Lesezeit: 11 min

Schritte, die Sie beim Aufbau Ihres Shared Mobility Angebots beachten müssen

Es gibt viele gute Gründe, die Sie zum Betreiben eines eigenen Shared Mobility Angebots bewegen können. Sei es, dass Sie in der geteilten Mobilität einen wesentlichen Treiber der Mobilitätswende sehen, Sie den Verkehr an Ihrem Standort entlasten, den ÖPNV sinnvoll ergänzen oder Ihren Mitarbeiter:innen oder Kund:innen ein attraktives Mobilitätsangebot bieten möchten.

Doch mit der Entscheidung für ein Sharing Angebot ist die Arbeit noch längst nicht getan. Beim Aufbau Ihres Angebots gibt es wesentliche Entscheidungsfelder zu berücksichtigen, die wir Ihnen im Folgenden Schritt für Schritt vorstellen. Eine durchdachte Gestaltung dieser eröffnet Ihnen das Potential, ein Angebot zu kreieren, das genau den richtigen Nerv Ihres Markts und Ihrer Zielgruppe trifft und Sie Ihre Ziele erreichen lässt.

Setup für Shared Mobility

Die Vorbereitungsphase

Lernen Sie Markt und (potentielle) Nutzer:innen kennen

Bevor Sie mit der detaillierten Ausgestaltung Ihres Angebots beginnen, treten Sie einen Schritt zurück und betrachten Sie Ihren derzeitigen lokalen Mobilitätsmarkt. Diese Recherche- und Analysephase wird Ihnen wichtige Erkenntnisse liefern, die Ihnen später dabei helfen, ein auf Ihren Markt und Ihre Zielgruppe zugeschnittenes Angebot zu entwickeln.

Wie ist die allgemeine Situation auf dem Markt? Befinden Sie sich in einer Großstadt mit überlastetem Verkehr und mangelnden Parkmöglichkeiten? Oder sind Sie in einer ländlichen Region, wo die Probleme eher in einer unzureichenden ÖPNV-Struktur liegen? Unterschiedliche Ausgangssituationen führen bei (potentiellen) Nutzer:innen zu unterschiedlichen Motivationen für die Nutzung von Carsharing, Bikesharing etc.

Betrachten Sie anschließend die bereits existierenden Shared Mobility Angebote und vergleichen Sie Angebot und Nachfrage. Gibt es dort noch Lücken und ungenutztes Potential? Richten Sie sich nach der Faustregel, dass der Shared Mobility Markt aktuell ab einem Fahrzeug pro 100-140 Einwohner:innen als erschöpft gilt. Schauen Sie aber nicht alleinig auf die Zahl, sondern auch die Art der Fahrzeuge, die zum Teilen angeboten werden. Möglicherweise ist zum Beispiel der Carsharing-Markt gut versorgt, aber es gibt noch kein etabliertes Bikesharing.

Zuletzt sollten Sie in der Analyse auch einen Fokus auf potentielle Zielgruppen legen. Wer sind die Personen, die an Shared Mobility interessiert sind? Welche Probleme werden damit gelöst und welche Bedürfnisse erfüllt? Achten Sie nicht nur auf demographische und sozioökonomische Merkmale (z. B. Alter, Geschlecht, Beruf, Einkommen, Familienstand…) sondern vielmehr auf psychografische Merkmale wie Lifestyle, Werte und Einstellungen.

Shared Mobility Status Report 2020

Was wollen Sie erreichen - und wer wollen Sie sein?

Am erfolgreichsten sind in der Regel die Unternehmen, die eine klare Vision verfolgen, die wissen, wer sie sind und was sie erreichen wollen. Diese Erkenntnis lässt sich auch auf Anbieter von Shared Mobility übertragen. Nehmen Sie sich daher bewusst Zeit für Ihre strategische Planung und Zielfindung. In der Praxis ist dieser Teil der Angebotsgestaltung nicht unbedingt separat zu betrachten, sondern läuft eher Hand in Hand mit der Analysephase.

Werden Sie sich also bewusst darüber, warum Sie ein Sharing Angebot auf den Markt bringen möchten. Was treibt Sie an, was bewegt Sie, welche Probleme möchten Sie lösen?

Innerhalb der strategischen Planung sollten Sie Ziele definieren, die Sie mit Ihrem Angebot erreichen möchten. Das können sowohl finanzielle als auch ideelle Ziele sein. Entwickeln Sie außerdem Ihre Alleinstellungsmerkmale, die Sie von Wettbewerbern unterscheidet. Warum braucht es Ihr spezifisches Angebot? Das führt weiter zur Zielgruppe, die Sie nun ebenso wie den geografischen Markt definieren und eingrenzen können.

Fahrzeuge bequem von der Couch aus buchen

Öffentliches oder privates Angebot?

Sie können Ihr Sharing Angebot sowohl der allgemeinen Öffentlichkeit zur Verfügung stellen als auch einer eingegrenzten Gruppe. Private Angebote richten sich zum Beispiel an die Mitarbeiter:innen eines Unternehmens oder die Bewohner:innen einer Wohnquartiers. Das Sharing Angebot stellt dann häufig eine Aufwertung des eigentlichen primären Services dar.

Erfolg will gelernt sein: Halten Sie die Zahlen im Blick

Ihr Angebot kann noch so innovativ und nutzerorientiert sein, am Ende bedarf es eines stabilen Finanzgerüsts, um dauerhaft Bestand zu haben.

Dazu benötigen Sie einen realistischen Überblick über sämtliche anfallenden Kosten. Einen großen Teil dieser macht natürlich die Flotte aus mit Anschaffungs- oder alternativ Leasingkosten, Kosten für Wartung, Reparatur und Säuberung, Ausstattung, Tank- und Ladekosten sowie dem Wertverlust. Weitere Kostenstellen sind eigene oder externe Mitarbeiter:innen, Kosten für Software, IT und Telematik-Einheiten, Mieten, Versicherungen, Steuern, Marketingkosten, Bankgebühren…

Gehen Sie davon aus, dass neben den planbaren Kosten auch immer wieder unerwartete Kosten auf Sie zukommen können. Aber: Sie müssen nicht gleich mit einer großen Flotte und zig Angestellten starten. Viele Anbieter beginnen mit einem Pilot-Projekt mit nur wenigen Fahrzeugen und wachsen dann schrittweise. Je nach Ausgangssituation entstehen auch keine zusätzlichen Mietkosten, da Sie möglicherweise bereits vorhandene Räume nutzen können.

Langfristig müssen all Ihre Ausgaben durch Ihre Einnahmen gedeckt werden. Daher hilft Ihnen eine umfassende und vorausschauende Kostenkalkulation, um darauf basierend realistische Nutzungstarife abzuleiten. Rechnen Sie sich aus, welchen Kostendeckungsbeitrag eine einzelne Fahrt erbringen muss und welche Auslastung Ihrer Fahrzeuge Sie benötigen, damit Sie rentabel operieren können.

Da die wenigsten Sharing Angebote jedoch von Tag 1 an rentabel sind, benötigen Sie für den Start sowie die ersten Monate bis Jahre einen entsprechenden Finanzierungsplan. Finanzierungsoptionen sind neben ausreichend Eigenkapital Kredite bei der Bank, Investoren oder Crowdfunding. Prüfen Sie auch, ob für Sie gegebenenfalls eine Förderung in Betracht kommt (bspw. Förderungsprogramme für E-Mobilität). Förderungen und Finanzierungshilfen nehmen Ihnen etwas finanziellen Druck aus der Anfangsphase, so dass Sie Zeit und Raum haben, Ihr Angebot zu testen und bei der Zielgruppe bekannt zu machen.

Die Gestaltungsphase

Entwickeln Sie Ihr Geschäftsmodell

In der Shared Mobility Branche gibt es unterschiedliche Geschäftsmodelle. Das fängt schon beim angebotenen Fahrzeugtyp an: Möchten Sie klassisches Carsharing betreiben, ein Transporter Sharing oder eher Mikromobilität mit Fahrrädern oder Rollern? Auch eine Kombination unterschiedlicher Produkte (= Mixed Mobility) ist möglich.

Ein anderer wesentlicher Unterscheidungspunkt ist die Entscheidung zwischen einem stationsbasierten oder einm Free Floating Modell. Stationsbasiert bedeutet, dass Sie Stationen definieren, an denen Ihre Fahrzeuge abgeholt werden können. Sie können entweder ein Roundtrip Sharing oder ein One Way Sharing betreiben, also bestimmen, ob die Fahrzeuge auch an einer anderen Station als der Ausleihstation zurückgegeben werden können.

Shared Mobility Status Report 2020

Free Floating hingegen bezeichnet ein Geschäftsmodell, bei dem Fahrzeuge an einem beliebigen Standort innerhalb eines eingegrenzten Geschäftsbereichs ausgeliehen und abgestellt werden können. Dieses Modell findet man insbesondere in Großstädten mit einer hohen Einwohnerdichte. Wichtig zu berücksichtigen ist, dass beim Free Floating keine Reservierungen für einen Zeitpunkt in der Zukunft getätigt werden können.

Sofern Sie sich für ein stationsbasiertes Geschäftsmodell entscheiden, liegt in der Auswahl der Stationen ein wichtiger Erfolgsfaktor. Analysieren Sie genau, an welchen Orten ein hoher Bedarf für eine Sharing Station ist. Grundsätzlich ist sowohl die Nähe zu einem Wohngebiet als auch die Lage an wichtigen Verkehrsknoten wie Bahnhöfen oder Bushaltestellen empfehlenswert.

Rechtliche Rahmenbedingungen

In einigen Städten oder Kreisen gibt es gewisse Regularien, an die Sie sich als Sharing Anbieter halten müssen. So sind zum Beispiel Free Floating Angebote teils nicht im gesamten Stadtgebiet erlaubt oder es gibt bestimmte Richtlinien zur Errichtung von Ausleihstationen. Behalten Sie außerdem Themen wie Haftung, notwendige Versicherungen sowie die Pflichten als Fahrzeughalter im Blick.

Das Kernstück Ihres Angebots: Die Flotte

Schenken Sie der Zusammenstellung Ihrer Flotte ausreichend Aufmerksamkeit - sowohl in Bezug auf die Anzahl als auch die Modelle der Fahrzeuge. Hier spielt wieder einmal Ihre definierte Zielgruppe eine Rolle. Richten Sie sich an Geschäftsleute, die mit dem Auto zu geschäftlichen Terminen anreisen, spielen Marke und Design des Fahrzeugs eine größere Rolle als bei einem Familienvater, der mit dem Wagen den Wocheneinkauf erledigt.

Elektro vs. Verbrenner

Aus der Frage nach Elektro- oder Verbrennermotor wird schnell eine Glaubensfrage. Aber viel wichtiger ist auch hier wieder einmal die Orientierung an Ihrer Zielgruppe. Eignen sich Elektrofahrzeuge für die Zwecke, zu denen Ihr Sharing Angebot genutzt werden soll? Ist Ihre Zielgruppe offen gegenüber Elektromobilität? Gibt es in Ihrer Umgebung eine ausreichende Ladeinfrastruktur? Wichtig zu wissen ist: Ein Sharing Modell funktioniert sowohl mit elektronischen als auch mit herkömmlichen Fahrzeugen. Entscheiden Sie, was Ihrer Geschäftsstrategie besser gerecht wird.


FAQ zu Elektromobilität

Schnell übersehen aber ebenfalls von Bedeutung ist die Ausstattung Ihrer Fahrzeuge. Während Fahrräder neben einem Schließsystem meist nichts weiter benötigen, sollten Sie Roller mit einem Helm ausstatten. Bei Autos ist die Liste der Ausstattung noch etwas länger, denn neben verpflichtenden Materialien wie Erste-Hilfe-Kasten, Warndreieck und Warnwesten sollten Sie zum Beispiel auch einen Eiskratzer und eine Tank- oder Ladekarte hinterlegen.

Hinweis:

Bei den meisten Anbietern von Carsharing sind die Kosten für Kraftstoff bzw. Strom in den Tarifen inbegriffen. Allerdings sind die wenigsten Fahrer:innen gewillt, in Vorkasse zu gehen, um das Fahrzeug wieder aufzuladen oder voll zu tanken. Damit es fahrtüchtig bleibt, sollte im Auto also eine entsprechende Karte vorhanden sein, mit der Fahrer:innen an Tankstellen oder Ladestationen bezahlen können.

Damit ein Fahrzeug über das Smartphone geöffnet und verschlossen werden kann, bedarf es zudem einer verbauten Telematik-Einheit bzw. bei Fahrrädern eines Smart Locks. Über die Telematik kann das Fahrzeug mit Ihrem Softwaresystem kommunizieren und zum Beispiel so den gegenwärtigen Tank- bzw. Ladestand in der App anzeigen.

Die passende Software

Das führt uns zum nächsten wichtigen Schritt Ihrer Angebotsentwicklung: Die Software. Zum einen brauchen Sie eine App, über die Fahrer:innen Fahrzeuge buchen, öffnen bzw. schließen und bezahlen können. Sie selbst benötigen zum anderen eine Plattform, mit der Sie Nutzer:innen, Fahrzeuge und Buchungen verwalten, Tarife festlegen, Abrechnungen durchführen und Statistiken einsehen können.

Fügen Sie die richtigen Features zu Ihrer Software hinzu

Weitere Individualisierungsmöglichkeiten erhalten Sie über mögliche Schnittstellen zu anderen Softwarediensten sowie diverse Features. Finden Sie ein Softwarepaket, das Ihren Ansprüchen und Bedürfnissen gerecht wird. Da die gesamte Customer Journey über das System abgewickelt wird, sind Sie auf dessen Stabilität, Funktionalität und Sicherheit angewiesen. Nur ein sauberer und intuitiver Buchungsprozess führt zu einer hohen Nutzerzufriedenheit.

Mit gezieltem Marketing Kund:innen erreichen

Letztendlich lebt Ihr Shared Mobility Angebot davon, dass es genutzt wird. Und um das sicherzustellen, kommen Sie in den allermeisten Fällen um eine Marketingstrategie und zielgerichtete Ansprache Ihrer Kund:innen nicht herum.

Entwickeln Sie eine individuelle Markenpersönlichkeit und ein stringentes Branding. Sämtliche Berührungspunkte zu Kund:innen dürfen Ihr Markendesign widerspiegeln - darunter Website, Fahrzeuge und Stationen. Wenn Ihre Marke besonders im Vordergrund stehen soll, ist eine White Label App empfehlenswert. Aber auch ohne White Label App können Sie in der MOQO App an mehreren Stellen Ihre Marke einbinden, wie zum Beispiel über Ihr Logo oder Ihre Fahrzeugbilder.

Fügen Sie die richtigen Features zu Ihrer Software hinzu

Suchen Sie darüber hinaus passende Kanäle, auf denen Sie Ihre Zielgruppe erreichen. Reichweitenstarke und kostengünstige Optionen sind Social Media Kanäle. Aber auch lokale oder branchenspezifische Medien sind grundsätzlich nicht abgeneigt, über neue Sharing Angebote zu berichten. Versuchen Sie daher ruhig, gute PR-Kontakte zu knüpfen. Letztlich gewinnen Sie auch durch klassische (Online oder Print) Anzeigen an Aufmerksamkeit und können darüber zum Beispiel für spezielle Angebote zum Launch werben.

Grundsätzlich erhöht die Wahrnehmung auf verschiedenen Kanälen die Wahrscheinlichkeit einer Interaktion von Nutzer:innen. Setzen Sie daher auf einen Mix aus unterschiedlichen Medien und Maßnahmen.

Als weitere Marketingtools sollten Rabattcodes oder Angebote zum “Freunde werben” erwähnt werden. Durch solche Angebote vergrößern Sie Ihre Reichweite und gewinnen neue Fahrer:innen.

Setup für Shared Mobility

Fazit

Lassen Sie uns ehrlich sein: Ein eigenes Sharing Angebot auf die Beine zu stellen, ist viel Arbeit und erfordert auch eine gute Portion Leidenschaft. Aber es ist ein Beitrag, der sich auszahlt - nicht nur finanziell, sondern auch durch ein verbessertes Image, zufriedene Kund:innen und einen wertvollen Beitrag zur Verkehrswende. Lassen Sie sich für die einzelnen Schritte Ihrer Planungs- und Entwicklungsphase Zeit, um ein Angebot zu kreieren, das den Wünschen und Bedürfnissen Ihrer Zielgruppe gerecht wird. Und: Suchen Sie sich starke Partner, die Sie in den unterschiedlichen Aspekten Ihrer Unternehmung unterstützen und mit wertvollem Know-how bereichern können.

Vorschau Setup Guide für Carsharing, Bikesharing und Scootersharing

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