Meran Bikes

Mit dem Bike kostenlos Meran erkunden

01. Dezember 2020 | Lesezeit 8 min

Malerische Weinberge, farbenfrohe Obstgärten und weite Weingüter: Die südtiroler Stadt Meran zieht durch ihren besonderen Charme vor allem im Sommer zahlreiche Besucher an. Für die Touristen stehen Wanderungen sowie Ausflüge zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt auf dem Programm. Besonders nützlich ist dabei das Bike Sharing der Stadt, auf das Nutzer jederzeit unkompliziert zurückgreifen können. Aber auch Einheimische profitieren von dem Angebot und können flexibel ihre Erledigungen tätigen. Wieso die Stadt Meran das Bike Sharing initiiert hat, wie die ersten Schritte aussahen und welchen Mehrwert es der Stadt bringt, erklärt dieser Artikel.

Wieso Bike Sharing?

Die Sharing Bikes sind seit circa einem Jahr auf den Straßen Merans unterwegs. Entstanden ist es im Rahmen des Projekts MENTOR, mit dem Ziel, Mobility-as-a-Service auch in kleineren Gebieten im Alpenraum zu testen. Ein Fahrradverleihsystem per se ist in Meran nichts neues: Bereits seit den 1980er-Jahren gibt es dort einen saisonalen Fahrradverleih. Dieser ist allerdings nur im Sommer und zu festen Öffnungszeiten verfügbar. Um das Angebot nutzen zu können müssen die potenziellen Fahrer jedes mal ein Papierformular ausfüllen und eine Kaution hinterlegen. “Mit MENTOR wollten wir den Verleih durch Digitalisierung und Ausweitung der Verfügbarkeit der Fahrräder aufs ganze Jahr und rund um die Uhr auf eine neue Ebene bringen und durch die Einrichtung mehrerer Stationen, sowie der One-Way-Funktion (man muss das Fahrrad nicht dort zurückgeben, wo man es ausgeliehen hat) auch für Pendler interessant machen. Langfristig ist die Idee, ein Last-Mile-Angebot zu schaffen, als wertvollen Baustein innerhalb einer multimodalen Mobilitätskette. Zudem wollten wir dem starken Individualverkehr in Meran entgegentreten und z.B. das Anreisen mit dem Zug noch attraktiver machen”, berichtet Ruth Lochmann von der Stadt Meran.

Merano Bike Stationen

Die Standorte

Zum jetzigen Zeitpunkt stehen in Meran insgesamt 60 Leihräder an vier Stationen zur Verfügung. Dazu zählen der Kornplatz, der Sandplatz, der Bahnhof Meran und der Bahnhof Untermais. “Wir wollten vor allem die Anbindung Zentrum - Bahnhöfe am Anfang gut ausbauen, da diese Strecke der Kern unseres Last-Mile-Gedankens ist. Wir mussten immer Standorte wählen, an den bereits vorher Fahrradabstellplätze waren und uns war eine hohe Sichtbarkeit wichtig”, erklärt Lochmann.

Nutzer auf das Angebot aufmerksam machen

Natürlich ist es wichtig, potenzielle Nutzer auch auf das Sharing Angebot aufmerksam zu machen. Dafür sorgen zunächst die auffällig grünen Folierungen der Bikes und der Stationen. Im Rahmen einer Werbekampagne wurden Mobility-Points mit Gratis-Bike-Checks eingerichtet. Zusätzlich haben Bike-Sharing-Botschafter interessierte Personen vor dem Bahnhof über die Möglichkeiten des Bike Sharings informiert. Außenwerbung in Form von Postern wurden auf den Plakatwänden der Stadt angebracht. Das Meraner Bike Sharing ist in Google Maps hinterlegt und eine Landingpage erscheint bei entsprechender Internetsuche. Werbevideos in den Zügen und auf den Social Media Kanälen runden die digitalen Werbemaßnahmen ab.

Merano Bike Aktionen

Die ersten Schritte

Da es sich um ein Projekt der öffentlichen Verwaltung handelt, galt es zunächst bürokratische Hürden zu nehmen: Ein Konzept musste ausgearbeitet und Verantwortliche überzeugt werden. Zudem wurde ein Faszikel mit der generellen Beschreibung des geplanten Dienstes dem Stadtrat zur Abstimmung vorgelegt. Die vorgeschlagenen Standorte wurden im Stadtrat diskutiert und von der Ortspolizei genehmigt. “Neben der Planung und dem Einholen aller Genehmigungen erfordert auch eine erfolgreiche Umsetzung viel Arbeit. Nach eingehenden Marktrecherchen haben wir Ausschreibungen zu Softwareanbieter aber auch zu den Materialien für die Einrichtung der Stationen ausgearbeitet. Verträge wurden aufgesetzt und Benutzerordnungen erarbeitet”. Da dies zeitlich aufwendig ist empfiehlt Lochmann, einige Monate Vorlauf einzuplanen.

Nutzung und Feedback

Bei dem Meraner Bike Sharing handelt es sich um ein besonders nutzerfreundliches System. Die Räder können für maximal fünf Stunden vollkommen kostenfrei ausgeliehen werden. Dabei können die Nutzer die Räder während ihrer Buchungszeit beliebig oft sperren und entsperren: Ideal für Besorgungen in der mediterranen Stadt oder Stopps an Sehenswürdigkeiten. Besonders praktisch ist, dass die Rückgabe nicht zwangsläufig dort erfolgen muss, wo das Rad ausgeliehen wurde: Es muss lediglich rechtzeitig zu einer der vier Stationen gebracht werden. Der Fahrradmechaniker von Meran Bikes kümmert sich zudem passioniert um die Wartung und Kontrolle der Räder, um immer einen top Zustand zu garantieren. In den Monaten Juli und August wurde das Angebot von sehr vielen Touristen genutzt. In den anderen Monaten greifen vor allem Einheimische auf das Sharing zurück. Das Nutzerfeedback ist durchweg stets positiv.


Ein Jahr Bike Sharing – ein Fazit

Das Meraner Bike Sharing besteht nun seit circa einem Jahr – es startete Ende Oktober 2019. Somit kam Meran Bikes schon in der Anfangsphase das Corona Virus in die Quere: “Leider konnte in diesem Jahr kein ’normales’ Jahr abgebildet werden, da es sehr viel weniger Tourismus, sehr sehr viel weniger Zugreisende und auch sonst weniger Bewegung in der Stadt gab als vor der Corona-Krise”, erklärt Lochmann. Meran hat jedoch schnell auf die sich verändernden Bedingungen reagiert und sorgt dafür, dass die Räder regelmäßig desinfiziert werden. So wird den Nutzern ein sicheres Sharing geboten. ​”Wir sind grundsätzlich mit dem Funktionieren des Sharings sehr zufrieden, würden uns aber eine deutlich höhere Nutzung wünschen. Darum arbeiten wir weiter daran den Dienst noch bekannter zu machen. Unser Fazit ist: Das Angebot ist schon sehr attraktiv. Viele einheimische Meraner müssen aber noch an die neuartige, vollständig automatisierte Nutzung herangeführt werden und bevorzugen einen zusätzlichen Support vor Ort”, schließt Lochmann ab. Trotz der corona-bedingten Rückschläge bietet das Meraner Bike Sharing ein hohes Potenzial: Das One-Way-Sharing bietet sowohl Anwohnern als auch Touristen die Möglichkeit, flexibel zwischen Bahnhof und den anderen Standorten zum Ziel zu gelangen. Die Option, das Bike unbegrenzt zu verschließen macht das Sharing für viele schnelle Erledigungen und Termine sowie Sightseeing interessant und bietet eine entspannte Alternative zu Auto und ÖPNV. Durch die kostenlose Angebot können sich nicht zuletzt auch skeptische Nutzer an das Sharing Prinzip herantasten und die Vorteile erfahren.

Meran Bikes Symbol

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