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Die neuesten Erkenntnisse zur Zukunft der Mobilität

08. November 2021 | Lesezeit: 6 min

Im August 2021 veröffentlichte McKinsey & Company mit “Shared mobility: Where it stands, where it’s headed” eine umfassende Marktanalyse zur Shared Mobility. Die Studie betrachtet die einzelnen Segmente des Shared Mobility Marktes nicht nur in Bezug auf den Marktanteil, sondern auch bezüglich Investitionen und Stimmung der Nutzer:innen. Darüber hinaus wird ein Blick auf die Zukunft der Mobilität geworfen - denn sobald autonome Fahrdienste markttauglich werden, werden sie den Status Quo herausfordern.

Im folgenden Artikel fassen wir die wichtigsten Erkenntnisse für Anbieter von Carsharing, Bike Sharing und Scooter Sharing zusammen. Weitere Einblicke trägt McKinsey & Company auf dem MOQO Summit am 9. November vor.

McKinsey & Company auf dem MOQO Summit 2021 kennenlernen

Im Rahmen eines Vortrags auf dem MOQO Summit 2021 stellt die Strategieberatung McKinsey & Company als führender Impulsgeber und Trendscouts im Bereich Future of Mobility ihre jüngste Marktstudie vor und teilt spannende Einblicke. Reisen Sie mit uns in die Zukunft!


MOQO Summit 2021

Carsharing wächst, ist aber kein Selbstläufer

Carsharing steht nach wie vor auf Wachstumskurs. Von 2016 bis 2020 hat sich allein die Anzahl der durchgeführten Trips von Free Floating-Carsharing-Angeboten verdoppelt und betrug im Jahr 2020 trotz Corona-Pandemie ca. 70 Millionen Fahrten weltweit. 2019 waren es noch 55 Millionen Fahrten. Das weltweite Marktvolumen des Carsharing wurde 2019 auf ca. 4-6 Milliarden USD geschätzt.

Wirft man allerdings einen Blick auf die genutzten Mobilitätsangebote durch die Konsument:innen, spielt Carsharing eine noch eher kleine Rolle. Befragte Konsument:innen geben an, dass das eigene Auto global betrachtet weiterhin das meistgenutzte Fahrzeug ist. Mit einem Carsharing Dienst werden durchschnittlich die wenigsten Fahrten durchgeführt, weniger als mit E-Hailing, im ÖPNV oder mit Mikromobilitätsdiensten. In Deutschland geben bislang lediglich 7 % der Befragten an, regelmäßig (d. h. mindestens einmal pro Woche) Gebrauch von Carsharing zu machen. 28 % der befragten Deutschen geben an, Carsharing weniger regelmäßig zu nutzen, 65 % haben es noch nie genutzt.

Hier wird Potential deutlich. In den USA liegt die Zahl der Befragten, die mindestens einmal die Woche ein Carsharing Angebot nutzen, mit 17 % deutlich höher. In China wird es von sogar 24 % regelmäßig genutzt. Was muss also passieren, damit das Angebot in Deutschland ansprechender wird und häufiger die Fahrt mit dem eigenen PKW oder einem alternativen Mobilitätsangebot ersetzen kann?

Potentiale in Nutzungszahlen

Carsharing Nutzung Zahlen in Deutschland
Carsharing Nutzung im Internationalen Vergleich

Der Schlüssel zum Erfolg: Operational Excellence

Für Benedikt Kloss, Co-Autor der Studie, ist Operational Excellence ein wichtiger Faktor, um das Carsharing in Zukunft attraktiver zu machen. Die Customer Journey für potentielle Fahrer:innen muss so angenehm und reibungslos wie möglich gestaltet werden, um Hürden und Hindernisse auf dem Weg zur Buchung zu vermeiden. Nutzer:innen wollen dort ein fahrtüchtiges, geladenes und sauberes Fahrzeug vorfinden, wo sie es benötigen. Um das zu gewährleisten, müssen Carsharing Anbieter ihre internen Prozesse optimieren und einen exzellenten Überblick über Kundenbedürfnisse und die Lage am lokalen Mobilitätsmarkt haben.

Micro Mobility boomt auch nach der Corona-Pandemie weiter

Vor der Corona-Pandemie und den ersten Lockdowns legten Shared Micro Mobility Dienste ein steiles Wachstum hin: Zwischen 2017 und 2019 ist die Anzahl der per Fahrrad oder Kickscooter durchgeführten Fahrten global um ein 150-faches gestiegen. Diese Entwicklung wurde zwar pandemiebedingt gebremst, dennoch war die Anzahl der Trips auch 2020 höher als noch 2018.

Mit mehr als 9 Milliarden USD weisen Anbieter von Micro Mobility nach E-Hailing-Diensten, also App-basierten Taxi- und Fahrdiensten, die zweithöchsten Investitionen im Shared Mobility Sektor auf. Diese Investitionsbereitschaft weist auf Vertrauen in die Zukunft der Branche hin.

Auch die Schätzungen von McKinsey & Company zeichnen ein positives Zukunftsbild der Micro Mobility - nach dem globalen Ausbruch von Covid-19 fällt dies sogar noch optimistischer aus als zuvor. Bis 2030 schätzt die Unternehmensberatung einen Anstieg der durchgeführten Kilometer von 5-10 % gegenüber den Vor-Corona-Schätzungen vorher. Gründe und Treiber dafür sind gewandelte Bedürfnisse und Präferenzen der Nutzer:innen. Mikromobilität bietet die Möglichkeit, Kontakte zu reduzieren und Abstände zu wahren, hat ein vermeintlich geringeres Ansteckungsrisiko als beispielsweise der ÖPNV und gilt als grünes und geräuscharmes Fortbewegungsmittel.

Nicht nur Wachstum zählt, sondern auch Profitabilität

Für einen einzelnen Shared Micro Mobility Anbieter zählt aber nicht allein die Wachstumschance des gesamten Sektors, sondern vor allem die Profitabilität des eigenen Angebots. Die positiven Entwicklungen in der Nachfrage und auch Bestreben einzelner Städte, mehr Raum für grüne Mobilitätsformen zu schaffen, bieten grundsätzlich eine gute Ausgangslage für Unternehmen.

Ausschlaggebend im zweiten Schritt ist die Fähigkeit eines Anbieters, die Kosten unter den Umsätzen zu halten und viele Menschen für den eigenen Service zu begeistern - und dafür bedarf es effizienter Prozesse und Strukturen. Denn obwohl ein E-Scooter durchschnittlich bereits nach weniger als vier Monaten den Break-Even-Punkt erreichen kann und damit früher als z.B. ein Carsharing Auto, stellt die Bereitstellung inklusive regelmäßiger Positionierung, Ladung, Wartung, Säuberung und Reparatur auch einen hohen Arbeits- sowie Kostenaufwand dar.

Es kommt also neben einem ansprechenden Geschäftsmodell auch auf die interne Operational Excellence an, ob ein Unternehmen es schafft, ein nachhaltiges und profitables Angebot bereit zu stellen.

Kundenbedürfnisse verstehen

Ganz gleich, ob Carsharing, Bike Sharing oder Scooter Sharing - am Ende geht es darum, die Bedürfnisse der Kund:innen zu erfüllen und ihnen den bestmöglichen Service anzubieten. Um das unternehmerische Handeln an den (potentiellen) Nutzer:innen auszurichten, müssen Anbieter diese erst einmal kennen.

Die Marktstudie von McKinsey & Company liefert Einblicke in die relevantesten Aspekte eines Sharing Angebots aus Kundensicht. Laut einer flächendeckenden Umfrage Ende 2020 sind dies die folgenden:

Wichtige Faktoren für Fahrer in carsharing

Autonome Mobilität - die Zukunft?

Spannend wird es, wenn autonome Mobilitätsdienste wie Robo Taxis und Shuttles oder Flugtaxis marktreif werden. Den Studien von McKinsey & Company zufolge äußern Konsument:innen schon heute Interesse an diesen autonomen Angeboten und könnten sich vorstellen, für diese ebenso viel zu bezahlen wie für den Besitz eines eigenen Autos. Sollte die autonome Mobilität auf den Markt kommen, könnten sich insbesondere Robo Taxis und Shuttles 2030 zur verbreitetsten Mobilitätsform entwickeln. Sharing Anbieter sollten sich also schon heute die Frage stellen, welche Rolle sie auf diesem veränderten Markt spielen wollen und können.

Über Benedikt Kloss, Co-Autor der Studie

Benedikt Kloss ist Associate Partner bei McKinsey & Company in Frankfurt und Mitglied des McKinsey Center for Future Mobility (MCFM). Seit seinem Eintritt in die Firma als Berater im Jahr 2016 beschäftigt er sich hauptsächlich mit Themen der zukünftigen Mobilität, mit Fokus auf Shared Mobility, insbesondere Mikromobilität, Car/Ride Sharing, Autonomes Fahren und Advanced Air Mobility. Benedikt hat einen Doktortitel in Physik von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.

In seinem Vortrag auf dem MOQO Summit 2021 gewährt er stellvertretend für die Strategieberatung McKinsey & Company Einblick in seine Sicht auf Shared Mobility und dessen Zukunft.

Erfahren Sie mehr über OPEX auf dem MOQO Summit 2021

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