Bike Sharing in 10 Schritten | Schritt 2: Das Konzept

Free Floating oder stationsbasiertes Sharing?

6. Mai 2021 | Lesezeit 4 min

Barshare Stationsbasiert

Auf dem Weg zum erfolgreichen Bike Sharing Anbieter ist es wichtig zu entscheiden, welche Bereitstellungsform für das eigene Geschäftsmodell geeignet ist. Die drei geläufigen Methoden, sind Free Floating, Round-Trip-Sharing und One-Way Sharing. Dieser Artikel erläutert die drei Optionen, sowie die jeweiligen Vorteile und Herausforderungen:

1. Free Floating – Die Buchung dort beenden, wo es gerade passt

Das ist das Konzept des Free Floating Sharings. Hierbei befinden sich die freistehenden Räder nicht an festen Stationen, sondern können verteilt im Stadtgebiet entliehen und wieder abgestellt werden. Um zu sehen, wo sich ein verfügbares Bike befindet, nutzen die Fahrer die dazugehörige Sharing App, mit der sie dann auch in nur wenigen Klicks das Bike Lock des Fahrrads auf- und zuschließen können. Zudem werden Free Floating Angebote oft spontan genutzt, wenn potenzielle Fahrer zufällig an einem Fahrzeug vorbei kommen. Für den Fahrer bedeutet das maximale Flexibilität.

Sharing Anbieter definieren ein geografisches Gebiet und bestimmen dadurch, an welchen Orten die Räder abgestellt werden dürfen. Dies umfasst in der Regel komplette Innenstädte. Nutzer stellen die Bikes innerhalb dieses Gebietes ab um die Buchung ordnungsgemäß zu beenden. Das Gebiet des Free Floating Sharings sollte eine Schnittmenge aus flexibler Nutzung und gewünschtem Aktionsraum darstellen.

Bei dieser Art des Sharings ist es empfehlenswert, eine größere Flotte bereitzustellen, um eine möglichst große Fläche zu bedienen und viele Leute zu erreichen.

Free Floating Modell

2. Stationsbasiert ist nicht gleich stationsbasiert.

Ihnen stehen mehrere Möglichkeiten zur Verfügung, das Sharing hinsichtlich Ihrer Wünsche und Anforderungen zu formen: Bevorzugen Sie eine virtuelle oder physische Station? Wollen Sie ein Round-Trip-Sharing oder One-Way Sharing auf die Straße bringen?

2.1. Virtuelle Station

Bei einer virtuellen Station handelt es sich um einen definierten Punkt auf einer Karte. Ähnlich zum Free Floating Konzept wird auch hier ein Geofence-Bereich festgelegt, in welchem die Buchung beendet werden darf. Dieser Bereich umfasst jedoch einen deutlich kleineren Radius. Ein Beispiel für eine solche virtuelle Station ist ein Parkplatz.

2.2. Physische Station

Die zweite Stationsart ist die physische Station. Hier befinden sich die Räder an einer festen, greifbaren Bike Station. Durch diese physische Verbindung ergeben sich drei Vorteile gegenüber Free Floating und der virtuellen Station:

1. Die Bikes werden fest in die Station verankert und dadurch gesichert (bei den oben genannten Varianten erledigt dies das Rahmenschloss). 
2. Bei einem E-Bike Sharing werden die Räder automatisch aufgeladen.
Station und App können miteinander kommunizieren. Diese Option ermöglicht 
3. Nutzern zu sehen, an wie vielen der verfügbaren Slots sich aktuell tatsächlich Räder befinden und inwieweit diese aufgeladen sind. Dadurch erhalten die Fahrer Auskunft, an welcher Station sie ihr Bike abgeben können.

2.3. Stationsbasiertes Round-Trip-Sharing

Neben den Stationen gibt es auch verschiedene Sharing-Konzepte.

Charakteristisch für das stationsbasierte Round-Trip-Sharing ist, dass Nutzer das Bike an einer Station abholen und diese nach Beendigung der Buchung an genau dieser Station wieder abgeben. Der Vorteil für Sharing Anbieter ist hierbei, dass sich ihre Bikes immer wieder genau an die von ihnen definierten Standort zurückgebracht werden.

Diese Art des Sharings eignet sich vor allem für Sharing Anbieter mit nur einer oder wenigen Sharing Stationen oder Stationen, deren Standorte weiter auseinanderliegen.

2.4. Stationbasiertes One-Way Sharing

Für Sharing Anbieter mit mehreren Stationen, bietet sich das stationsbasierte One-Way Sharing an. Hier haben Fahrer die Option, die Bikes an mehreren Stationen desselben Anbieters abzugeben. Besonders beliebt ist diese Nutzungsform im Pendelverkehr, da Nutzer das Bike zum Beispiel ganz einfach für den Weg zum Bahnhof nutzen und dort abstellen können. Dies bietet den Nutzern mehr Flexibilität.

Da sich im Laufe der Zeit eine ungleichmäßige Verteilung der Bikes an den Stationen einschleichen wird, ist es empfehlenswert, die Rückverteilung der Bikes an die Stationen als regelmäßige Maßnahme in die operativen Prozesse einfließen zu lassen.

Wie ein solches One-Way Sharing in der Praxis aussehen kann, veranschaulicht das Beispiel des Meraner Bike Sharings.

Alle genannten Optionen können durch die MOQO Plattform abgebildet werden.

Stationsbasiertes Modell

3. Die Sharing Station in der Praxis – Beispiel BARshare im Landkreis Barnim

Ein Sharing-Anbieter, der sich für die Nutzung eines stationsbasierten One-Way Sharings entschieden hat, sind die Kreiswerke Barnim mit BARshare.

BARshare setzte bereits im Car- und Cargobikesharing auf MOQO und wurde wurde 2019 von den Kreiswerken Barnim GmbH auf den Weg gebracht. Das Barnimer Sharing Angebot umfasst bereits zahlreiche Fahrzeuge – dazu zählten bis 2021 verschiedene E-Fahrzeugmodelle und Lastenräder mit und ohne E-Antrieb. Aufgrund der hohen Nachfrage des bestehenden Sharing Angebotes sowie auf Basis einer gesonderten Förderung für eine Mobilitätsstation in der Barnimer Kleinstadt Werneuchen, plante BARshare seine Sharing Flotte um Pedelecs mit einer physischen Station inklusive Ladeinfrastruktur am Bahnhof Werneuchen zu erweitern. Dabei fiel die Wahl auf die Bikes und die Station von Velocity aus Aachen. Um den Nutzern ein möglichst angenehmes und einheitliches Sharing Erlebnis zu bieten, läuft das Pedelecsharing über dieselbe Software (Webseite und BARshare-App von MOQO) wie das restliche Sharing Angebot. Gemeinsam und partnerschaftlich wurde der Velocity-Service in Form von BARshare Stationen und die Bikes ins System integriert, sodass das erweiterte Sharing Angebot im April 2021 starten konnte.

Dieses Projekt zeigt, wie wertvoll und synergetisch sinnvoll die Zusammenarbeit von Partnern mit verschiedenen Erfahrungen und Praxishintergründen ist.

Bikestation BARshare Barnim

Welche Sharing Form ist die richtige – Kriterien auf einen Blick

Die Beispiele BARshare und Meran Bikes machen deutlich, dass es keine pauschale Antwort auf diese Frage gibt. Egal ob Free Floating, One-Way oder Round-Trip – jede Form hat ihre Vorteile und ihre Herausforderungen. Entscheidend sind die Zielgruppe und die gegebene Infrastruktur. Im folgenden sind die wichtigsten Kriterien, die Sie bei Ihrer Entscheidung berücksichtigen sollten, zusammengefasst:

Free Floating

  • Für die regelmäßige Aufladung muss gesorgt werden
  • Größere Bike Flotte ist sinnvoll, um eine Flächendeckung zu gewährleisten 
  • Eine regelmäßige Umverteilung der Bikes ist empfehlenswert, um die Räder wieder an strategisch sinnvollen Standorten einzusetzen
  • Das Angebot ist attraktiv für spontane Nutzer 

Stationsbasiertes One-Way Sharing

  • Bei der Rückgabe kann eine Aufladung erfolgen
  • Nutzer wissen immer genau, an welchem Standort sie Bikes leihen können
  • Durch mehrere Stationen kann den Nutzern mehr Flexibilität geboten werden 
  • Eignet sich für Pendler 
  • Für die Umverteilung der Bikes sollte gesorgt werden
  • Zusätzliche Verriegelungsmöglichkeit durch physische Station 

Stationsbasiertes Round-Trip-Sharing

  • Bei der Rückgabe kann eine Aufladung erfolgen
  • Verfügbarkeit ist auch bei sehr kleinen Flotten gewährleistet 
  • Kann auch bei mehreren Stationen sinnvoll sein 
  • Gleiche Verteilung der Fahrräder 
  • Zusätzliche Verriegelungsmöglichkeit durch physische Station

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