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Augustin Friedel

Augustin Friedel: Was erfolgreiche Sharing Anbieter richtig machen

14.10.2021 | Lesezeit: 4 min

Augustin Friedel zählt zu Deutschlands bekanntesten Shared Mobility Experten. Im Interview verrät er nicht nur Insights zu den aktuellen Trends auf dem Mobilitätsmarkt, sondern auch, worauf es ankommt, um als Sharing Anbieter langfristig erfolgreich zu sein. Von besonderer Bedeutung sieht er dazu die Optimierung täglicher operativer Prozesse.

Du verfolgst seit etwa 10 Jahren die Entwicklungen im Shared Mobility Bereich und teilst auf LinkedIn sowie in kleineren Projekten dein Wissen, deine Eindrücke und deine Beobachtungen. Über die Jahre hast du dir als Shared Mobility Experte ein wachsendes Netzwerk aufgebaut, welches deine Expertise sehr schätzt. Was ist es, das dich an der geteilten Mobilität so fasziniert?

Es ist beeindruckend, wie schnell sich die einzelnen Bereiche, wie Mikromobilität, Car Sharing oder Fahrdienste, weiterentwickelt haben. Am meisten treibt mich aber das Potential an, das Shared Mobility Dienste in Bezug auf die Verbesserung der urbanen Mobilität haben.

Augustin Friedel auf dem MOQO Summit 2021 kennenlernen

In seinem Impulsvortrag auf dem MOQO Summit 2021 teilt Augustin Friedel seine detaillierten Analysen und Ansichten zu aktuellen Trends und Entwicklungen auf dem Shared Mobility Markt. Dank seiner jahrelangen Arbeit weiß er, wovon der Erfolg als Sharing Anbieter abhängt. Lernen Sie vom bekannten Mobility Blogger!


MOQO Summit 2021

Gib uns einen Einblick in momentane Trends auf dem Mobilitätsmarkt: Wie steht es um Themen wie Autonomes Fahren und Mikromobilität?

Nach der Ernüchterung in den letzten Jahren gewinnt Autonomes Fahren wieder an Bedeutung. Automobilhersteller aber auch Technologieunternehmen forcieren dazu ihre Aktivitäten in China, USA und mittlerweile auch Europa. Im Bereich Micro Mobility ist zu erkennen, dass die Anbieter von free-floating e-Scootern oder e-Bikes immer mehr in Long-Tail Städten aktiv werden, d. h. in kleineren Städten mit um die 100.000 Einwohnern. Dort haben sie wenig Konkurrenz durch andere Shared Mobility Anbieter oder einen verdichteten ÖPNV.

Siedlungsstruktur in Deutschland

Mehr als Zwei Drittel der Deutschen leben in einem bevölkerungsdichten Ballungsraum. Ein besonders hohes Potential für Shared Mobility Anbieter bieten die städtischen Kreise, die auch die sogenannten Long-Tail Städte umfassen. Die Bevölkerungsdichte ist dort hoch, der Wettbewerb aber noch geringer als in den kreisfreien Großstädten.

Siedlungsstruktur in Deutschland

Wie reagieren Städte auf die zunehmende Ausbreitung von Shared Mobility Diensten?

Städte werden aktiver, um geteilte Mobilität zu fördern und um Rahmenbedingungen für Sharing Dienste zu verabschieden. Gleichzeitig arbeiten immer mehr Städte an der Reduzierung von Individualverkehr und den durch Mobilität und Transport erzeugten Emissionen.

Diese Entwicklungen und Bemühungen der lokalen Behörden erleichtern Sharing Anbietern den Einstieg in den Markt, der Wettbewerb wächst - mit Gewinnern und Verlierern. Was sollten neue Sharing Anbieter wissen?

Anbietern muss bewusst sein, dass sie nicht vom ersten Tag an profitabel wirtschaften können. Je nach eigener Ambition und Wettbewerbsumfeld müssen die finanziellen Ressourcen verfügbar sein, um Fahrzeuge, Betrieb und Wachstum zu finanzieren. Wichtig ist die Wahl der Fahrzeuge in Bezug auf Total Cost of Ownership (TCO) und das Zusammenspiel zwischen Fahrzeugen und Software.

Entwicklungen in der Smart Mobility

Augustin Friedel ist Experte auf dem deutsche Mobilitätsmarkt und veröffentlicht regelmäßig aufschlussreiche Analysen und Statusberichte. Interessante Erkenntnisse und Trends fasst er in anschaulichen Infografiken zusammen.

Infografiken Augustin Friedel

Was machen erfolgreiche Sharing Anbieter richtig, um gerade in Städten mit hoher Konkurrenz zu bestehen?

Erfolgreiche Sharing Anbieter gehen auf die lokalen Gegebenheiten und Bedürfnisse der Kunden ein. Mobilität ist „hyper local“. Ein one-fits-all Ansatz, den z. B. Uber oder e-Scooter Anbieter am Anfang verfolgt haben, war nicht nachhaltig.

Im täglichen Betrieb wird zudem schnell klar, dass der Betrieb eines Sharing Angebots ein sehr operatives Geschäft ist. Die ständige Optimierung der operativen Prozesse muss im Fokus stehen, um Kosten zu reduzieren und die Auslastung der Fahrzeuge zu maximieren.

Kannst du die 3 wichtigsten Schritte nennen, mit denen man als Anbieter Kund:innen für den eigenen Mobilitätsservice begeistert?

Schritt 1: Verfügbarkeit der Fahrzeuge. Die Fahrzeuge müssen in ausreichender Zahl verfügbar sein, so dass der Nutzer geringe Laufwege hat.

Schritt 2: Die Preisstruktur für ein attraktives Angebot. Sharing Anbieter stehen sowohl im Wettbewerb zueinander als auch im Wettbewerb zum Privatfahrzeug sowie dem ÖPNV. Eine Preisstruktur, die eine flexible und wettbewerbsfähige Nutzung ermöglicht, wird von den Nutzern bevorzugt.

Schritt 3: Eine problemlose User Experience über alle Touchpoints zwischen Kunde und Service. Das fängt bei der Registrierung in der App an, geht über die Nutzung der Fahrzeuge bis hin zum Kundenservice und Marketing.

Vielen Dank für das Gespräch!

Zur Person

Nachdem Augustin Friedel den Launch des US-Dienstes Uber in Deutschland begleitet hat, führte seine Karriere ihn unter anderem über Stationen bei Blacklane und ioki, einer Tochtergesellschaft der Deutschen Bahn, zur Volkswagen AG, wo er als Unternehmens- und Nachhaltigkeitsstrategist tätig ist. Angetrieben von seinem großen Enthusiasmus für intermodale Mobilitätsservices bloggt er darüber hinaus privat auf LinkedIn und Twitter über aktuelle Trends und veröffentlicht regelmäßig Berichte und Analysen zur Shared Mobility Branche. Mit mehreren Tausend Follower:innen ist Augustin Friedel einer der einflussreichsten Mobility Bloggern in Deutschland.

Disclaimer: Die in diesem Interview veröffentlichten Meinungen und Ansichten sind seine persönlichen und stehen in keinem Zusammenhang zu seiner Arbeit bei VW.

Erfahren Sie mehr über OPEX auf dem MOQO Summit 2021

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