Sharing Setup

In 5 Schritten zum passenden Geschäftsmodell

09. März 2021 | Lesezeit 6 min

Analysephase

Shared Mobility Lösungen werden immer beliebter und bilden unweigerlich einen wichtigen Bestandteil der nachhaltigen Mobilität von Morgen. Wenn man sich dazu entschieden hat, die Mobilität der Zukunft mitzugestalten und Shared Mobility Anbieter zu werden, ist es gar nicht so einfach, das richtige Geschäftsmodell zu entwickeln. Da dieses jedoch die Grundlage des Sharing Projektes bildet, ist die Konzeptionsphase bereits entscheidend für den Erfolg. Um mehr Klarheit über das Geschäftsmodell zu erlangen, können die folgenden 5 Schritte helfen:

Marktrecherche

1. Marktrecherche

Zunächst ist es ratsam, eine Marktrecherche anzustellen und herauszufiltern, welche Shared Mobility Anbieter es bereits in der Umgebung gibt. Wenn es schon ein Shared Mobility Angebot gibt, könnte es sinnvoll sein, sich für einen anderen Use Case zu entscheiden oder mehr Budget für Marketingzwecke einzurechnen. Sticht das Geschäftsmodell jedoch heraus, beispielsweise durch das Betreiben eines E-Carsharings anstelle eines “normalen Carsharings”, können Anbieter sich so schon von der Konkurrenz abheben.

Die Recherche kann auch dabei helfen festzustellen, welche Anbieter ähnliche Konzepte in anderen Regionen verfolgen, um mit diesen in Kontakt zu treten. So können beispielsweise Städte und Kommunen von den wertvollen Erfahrungen bestehender Anbieter lernen.

Informieren Sie sich zudem, ob in Ihrer Kommune oder Stadt gesetzliche Vorschriften bestehen, die vor dem Start des Shared Mobility Projektes beachtet werden müssen.

Zielgruppe

2. Die Zielgruppe

Bei der Konzeption des Geschäftsmodells ist wohl die Frage nach der Zielgruppe die wichtigste: An wen soll sich das Sharing richten? Wofür sollen die Fahrzeuge primär genutzt werden?

Dabei gibt es mehrere Use Cases, die in Frage kommen, sich gegenseitig aber nicht ausschließen: Sollen Berufspendler angesprochen werden? Sollen Personen erreicht werden, die die Fahrzeuge zum Einkaufen benutzen? Sollen die Fahrzeuge zur Bewältigung der Last Mile an Bahnhöfen, für Freizeitaktivitäten oder für Touristen genutzt werden?

Je nach Use Case klärt sich auch die Frage nach dem geeigneten Fahrzeugtypen. Bei genauerer Betrachtung gibt es auch weitere, alternative Use Cases und Fahrzeugtypen, die in Shared Mobility Projekte und damit in Ihr Geschäftskonzept eingebunden werden können, beispielsweise das Cargobike.

→ Use Case “Einkäufe/Erledigungen”: Bei größeren und schweren Einkäufen, bietet sich am ehesten das Auto an. Bei kleineren Einkäufen auch ein Cargobike. Auch Nutzer mit kleinen Kindern greifen oft auf Autos zurück, da der Weg zu Fuß stressig sein kann und auf einem Bike plus Einkauf kein Platz mehr für Kinder bleibt.

Durch das Angebot von E-Fahrzeugen können Zielgruppen und Anwendungsfälle ebenfalls erweitert werden. Wenn ältere Menschen aufgrund ihrer körperlichen Fitness lieber auf ein Auto zurückgreifen, könnte ein E-Bike eine attraktive Alternative für diese Zielgruppe sein. Das gleiche gilt für Pendler oder Nutzer mit Geschäftsterminen: Während das normale Bike Sharing möglicherweise keine Option ist, bietet ein E-Bike die Möglichkeit, entspannt zum gewünschten Ziel zu kommen.

Geografische Lage

3. Die (geografische) Lage

Neben der Zielgruppe spielt auch die geografische Lage eine große Rolle wenn es darum geht, welches Geschäftsmodell das passende für Ihr Sharing ist.

Grob gesagt: Soll das Sharing in einem eher ländlichen oder städtischen Gebiet genutzt werden?

Aktuell sind die meisten Sharing Anbieter auf den urbanen Raum beschränkt. Dennoch bieten auch ländliche Gebiete Potenzial, wenn durch Ihr Sharing Angebot auf die spezifischen Voraussetzungen vor Ort eingegangen wird: Wichtige Knotenpunkte sind meist weiter voneinander entfernt, sodass der Anteil des Individualverkehrs sehr hoch ist. Zudem ist auch die ÖPNV Infrastruktur in der Regel nicht breit ausgebaut, wie in städtischen Gebieten. Sollen E-Fahrzeuge (E-Autos, E-Bikes, E-Scooter) in Ihrem Sharing verwendet werden, muss zudem sichergestellt sein, dass eine ausreichende Ladeinfrastruktur vorhanden ist – diese ist in ländlichen Gebieten (meistens) noch dünn gestreut.

geografie Deutschland

Schon gewusst?

Beispielsweise in Deutschland leben 61 % der Bevölkerung außerhalb des Urbanen Raumes. Mehr über das Potenzial unterschiedlicher Siedlungsregionen erfahren Sie in dem Status Report 2020.


Zum Report
Budget

4. Das Budget

Ebenfalls ein Schlüsselelement bei der Konzeption eines Geschäftsmodells ist das verfügbare Budget:

Zum Einen hat es Auswirkungen auf die Wahl der Fahrzeugtypen, da bei Bike oder Scooter Sharing Angeboten die Anschaffungskosten geringer sind, als bei Carsharing Lösungen. Zum Anderen wirkt es sich auf die Größe der Fahrzeugflotte aus. Schließlich gilt: Je höher das Budget desto größer kann die Flotte des Sharing Angebotes starten. Dies ist insbesondere wichtig, da bei einem Sharing Angebot immer mindestens zwei Fahrzeuge einer Fahrzeugart zur Verfügung stehen sollte um die Balance zwischen potenzieller Auslastung des Sharing Angebotes und der minimal notwendigen Flexibilität für Nutzer gesichert werden, denn:

Je kleiner das Angebot, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass Nutzer bei Bedarf kein verfügbares Sharing Angebot Fahrzeug vorfindet. Wenn dies dem Nutzer häufiger passiert, und er das Sharing Angebot nicht flexibel nutzen kann, wird es in der Folge keine Alternative zum eigenen Fahrzeug bilden.

Hybridlösungen

5. Hybridlösungen

Auch Kombinationsmodelle können intelligente Lösungen für Ihr Sharing Business sein. Sie müssen sich nicht auf einen Fahrzeugtypen mit einem Use Case beschränken.

Wenn ausreichend Budget zur Verfügung steht und die Gegebenheiten vor Ort es zulassen, bieten Kombinationen aus verschiedenen Fahrzeugtypen die Möglichkeit, zusätzliche Use Cases abzubilden und damit weitere Nutzer zu bedienen. Auch hier ist es wichtig, dass dies innerhalb eines klaren Rahmenkonzeptes stattfindet.

Als Beispiel für ein solches kombiniertes Geschäftsmodell dient LeasePlan Niederlande. In ihrem Shared Mobility Angebot “LeasePlan Tripp” werden den Anwohnern von Gebäudekomplexen Shared Mobility Angebote in der Tiefgarage angeboten. Dort befinden sich sowohl Sharing Autos als auch E-Bikes und E-Cargobikes. Nutzer, die normalerweise eher ein Bike nutzen, können bei schlechtem Wetter, für größere Erledigungen oder längere Strecken auf das Carsharing zurückgreifen.


Mehr zu LeasePlan Tripp

Fazit: Wie erstelle ich das richtige Geschäftsmodell für mein Sharing?

Um ein erfolgreichen Sharing Angebot aufzuziehen, ist die gewissenhafte Analyse und die Konzeption eines Geschäftsmodells essentiell. Die Konzeption ist Zielgruppen- und Use Case abhängig. Auch die Gegebenheiten vor Ort, die von Anbieter zu Anbieter unterschiedlich sind, spielen eine große Rolle. Daher ist es wichtig, die jeweilige Zielgruppe klar zu definieren und sich nach Möglichkeit mit Anbietern auszutauschen, um das Geschäftsmodell auf Ihre Ziele abzustimmen.

Checkliste Geschäftsmodell

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